Unsere im Herrn geliebten Kinder der Antiochenisch-Orthodoxen Erzdiözese in Europa
Ich grüße Euch im Herrn und erbitte für Euch Gnade um Gnade.
Da wir uns gerade zu Beginn des Festes der Göttlichen Menschwerdung, der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus, befinden, erinnern wir uns an das Lied des Sängers: „Was bringen wir Dir dar, o Christus, da Du für uns auf Erden als Mensch Dich zeigst? Denn jedes der von Dir gemachten Geschöpfe bringt Dir die Danksagung dar: Die Engel den Hymne, die Himmel den Stern, die Weisen die Gaben, die Hirten ihr Staunen, die Erde die Höhle, die Wüste die Krippe, wir aber die Jungfrau-Mutter. Der Du seit Ewigkeit Gott bist, erbarme Dich unser.“ (Weihnachtsvesper)
Geheimnis, Unfassbares und Neues, das wir sehen! Die Engel singen und die Erzengel frohlocken in Harmonie. Alle vereinen sich, um dieses ehrwürdige Fest zu preisen. Wir sehen Gott auf der Erde und den Menschen im Himmel. Gott, der oben ist, kommt herab und wohnt auf der Erde zu unserem Heil, und der Mensch, der unten ist, steigt empor durch das göttliche Erbarmen.
Bethlehem entspricht dem Himmel. So hören wir dort die Stimmen der preisenden Engel, denn “das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
Die Könige sollen kommen und den himmlischen König sehen; die Soldaten sollen kommen, um dem Führer der himmlischen Armee zu dienen; die Frauen sollen kommen, um diesen, der von einer Jungfrau geboren ist, zu verherrlichen; die Kinder sollen kommen, um diesen, der ein kleines Kind geworden ist, anzubeten; die Hirten sollen kommen zum Guten Hirten, der sich für seine Diener hingibt; die Priester sollen kommen zum Hohepriester; die Sünder sollen kommen, um „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt”, zu sehen.
Heute freuen sich alle. Auch ich möchte mich mit ihnen freuen und am Weihnachtsfest mit den Jubelnden teilnehmen.
Meine Teilnahme an dieser Freude möchte ich weder durch das Spielen an der Harfe noch mit der Flöte oder durch das Tragen der Fackel ausdrücken, sondern vor allem durch das Tragen der Krippe des Kindes in meinen Händen. Denn Es ist meine Hoffnung, mein Leben, mein Heil, meine Flöte und meine Harfe. Ich komme, um das Kind zu tragen. Denn durch seine Kraft erschöpfe ich die Kraft des Sprechens und kann dann auch mit den Engeln singen: „Ehre sei Gott in der Höhe, Und Friede auf Erden Und den Menschen ein Wohlgefallen!”
Wie soll ich mich über das Weihnachtsfest ausdrücken, wie soll ich es beschreiben?! Der Ewige ist Kind geworden, und der auf dem himmlischen Thron Sitzende, liegt nun in einer Krippe. Das Ungreifbare und Körperlose ist in den Menschenhänden fassbar geworden. Er hat Fleisch angenommen, damit wir sein Wort erkennen. Er nahm mein Fleisch an und gab mir seinen Geist, um mich zu heiligen und zu retten.
Kommt, lasst uns also auf dieses Fest besinnen. Lasst uns dieses ehrwürdige Fest verherrlichen. Heute öffnet sich der Himmel, die Sünden werden vergeben und die Rede über die Liebe verbreitet sich im ganzen Erdkreis. Die Engel begegnen den Menschen ohne Angst und die Menschen sprechen mit den Engeln. Dies geschieht, weil Gott auf die Erde herabkommt und der Mensch in den Himmel emporsteigt. Er kam auf die Erde herab, obwohl er den Himmel weiterhin erfüllt. Und wenn er auch in den Himmel emporsteigt, bleibt er in seiner ganzen Fülle auf der Erde.
Heute ist der Herr geboren, der das Leben und das Heil aller Menschen ist. Heute haben sich das Göttliche und das Menschliche versöhnt; heute haben sich Gott und Mensch versöhnt. Heute haben sich der Weg des Menschen zu Gott hin und der Weg Gottes zur menschlichen Seele hin geöffnet. Die menschliche Natur, die durch ihre Entfernung von Gott völlig gestorben und fruchtlos war, empfing heute die himmlischen Samen, damit sie die Früchte des Geistes erbringe.
Die Weisen schenkten dem geborenen Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt 2: 11). Diese Geschenke hatten bestimmte Symbole in der Geschichte der Göttlichen Geburt. Gold war ein Symbol für Christus den König, Weihrauch war ein Symbol für Christus den Priester und Myrrhe war ein Symbol für seine Leiden.
Was bedeutet dies für uns heute, wenn wir dem geborenen Christus Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken wollen?
Gold ist sehr wertvoll und symbolisiert die Reinheit der Menschenseele. Dies bedeutet, dass ich dem Herrn das mir Wertvollste schenken soll, nämlich mein reines Herz. Weihrauch symbolisiert das Priestertum und die Anbetung und erinnert mich daran, dass mein Gebet in seiner Wärme und seinem Duft wie der Weihrauch vor Gott emporsteigen soll. Die Myrrhe, die ein Duft ist, symbolisiert die Leiden und erinnert mich daran, für den Herrn ein Zeuge zu sein und mich in meinem Leben zu ihm zu bekennen. Dies bedeutet, dass ich sowohl mit dem geborenen Kind sein als auch zugleich meine Augen auf den gekreuzigten Herrn richten soll. Denn das Bild des am Kreuz erhöhten Christus symbolisierten die Geschenke der Weisen. Er ist Gott, der König des ganzen Erdkreises; er ist der Priester, der sich als Opfer am Kreuz für die Rettung der gesamten Menschheit hingibt.
Lasst uns mit den Weisen zur
Geburtshöhle, die vollen Lichtes und voller Freude ist, eilen, und dort
mit ihnen vor dem Göttlichen Kind, das zu unserem Heil geboren wurde,
niederfallen. Lasst uns die Frucht des Lebens, die durch die Gnade und
Liebe unseres Herrn Jesus Christus für den Menschen wächst, ernten. Dem
Christus sei Ehre und Anbetung von nun an bis in Ewigkeit. Amen.
Ich wünsche Euch ein ehrwürdiges Weihnachtsfest, ein frohes Neues Jahr und ein gesegnetes Epiphanienfest.
Auf viele Jahre!
Verfasser: Der Metropolit Johannes (Yazigi)
