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Pastorale Botschaft
Pascha 2009
An alle unsere geliebten Kinder im Herrn in den antiochenischen Gemeinden der Metropolie von West- und Mitteleuropa!
Die heilige Große Woche ist die liturgische Epoche, welche uns in das Leben des Herrn, Jesu, hineinführt, der zum Leiden kommt, das Kreuz und den Tod für uns erträgt. Dann wird er triumphierend und den Tod besiegend auferstehen. Die Riten und die Gebete der Großen Woche symbolisieren für uns die Leidensereignisse des Herrn, Jesu, und sie führen uns ins das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung hinein.
Am Palmsonntag begegnen wir dem Herrn bei seinem Einzug in Jerusalem, der auf einem Esel sitzt. Das Evangelium sagt: Als der Herr auf einem Esel saß und in Jerusalem einzog, umgeben von den Aposteln, empfingen ihn freudig die Menschenmenge und die Kinder als Sieger und trugen dabei die Palmzweige. Wir singen an diesem Tag: „Um vor deinem Leiden die allgemeine Auferstehung zu bezeugen, hast du den Lazarus von den Toten erweckt, Christus, Gott. Darum tragen auch wir, wie damals die Kinder (im theologischen Sinne zu verstehen), die Zeichen des Sieges und rufen dir zu, dem Sieger über den Tod: Hosanna in den Höhen! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Die Menschenmenge und die Kinder empfingen ihn mit Gesängen und Palmenzweigen, weil die Sieger damals auf diese Weise empfangen wurden. Damit prophezeiten sie, dass derjenige, den sie nun empfangen, König ist und am Auferstehungstag siegen wird. Es ist die Vorankündigung des Sieges Christi.
Am Abend dieses Sonntages halten wir das sogenannte „Bräutigam Gebet“ ab, das so benannt ist, weil wir singen: „Siehe, der Bräutigam kommt um Mitternacht! Selig ist der Knecht, der er wach findet, doch unwürdig ist der, der er schlafend finden wird. Also, siehe meine Seele zu, dass du nicht vom Schlaf befallen wirst, damit nicht dem Tod übergeben bist und vom Reich ausgeschlossen wirst. Sondern sei nüchtern und rufe: Heilig, Heilig, Heilig bist du, o Gott; durch die Fürbitten der Gottesgebärerin erbarme dich unser“
Am darauf folgenden Montag gedenkt die Kirche des seligen Josephs, von dem wir aus dem Alten Testament wissen, dass ihn seine Brüder nach Ägypten verkauft haben. Dort ist er König geworden und erwies seinen Brüdern, die ihn verkauft hatten, Wohltaten. Weiterhin wissen wir über ihn, dass die Frau des Königs ihn verführen wollte; dass er jedoch floh, um seine Keuschheit zu bewahren.
Außerdem gedenken wir an diesem Tag des Feigenbaums, den der Herr verflucht hat, weil er fruchtlos war. So erinnern wir uns am Beginn dieser Woche an die Gebote des Herrn, nämlich tugendhaft und keusch zu sein, damit wir zu denjenigen gehören, die auf der rechten Seite des Herrn und nicht auf der linken sind, und damit wir fruchtbare Zweige am Lebensbaums sind.
Am Dienstag gedenken wir der zehn törichten und klugen Jungfrauen. Der Herr ermutigt uns anhand dieses Gleichnisses, wie die klugen Jungfrauen zu sein, nämlich immer bereit, den Bräutigam zu empfangen, den wahren Bräutigam, und zwar durch gute Taten und mit Wachsamkeit und Scharfsinn.
Am Mittwoch gedenken wir der Ehebrecherin, welche vor Paschafest die Füße des Herrn im Hause Simons des Aussätzigen mit duftendem Öl salbte. Diese Frau brach die Duftflasche und goss das Duftöl auf den Kopf und die Füße des Herrn. Manche beschwerten sich darüber, weil dieses Duftöl sehr teuer war, und sagten: Es wäre besser, dieses Duftöl zu verkaufen und den Erlös den Armen zu geben. Dann sagte der Herr: Lasst sie! Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich habt ihr aber nicht allezeit. Solche Tat hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses. Wir gedenken dieser Frau am selben Tag, an dem Judas mit den Juden den Verschwörungsplan geschmiedet hat, ihnen Jesus auszuliefern und dafür dreißig Silberlinge zu erhalten als Preis für die Übergabe.
Danach gelangen wir an den Gipfel der Leidenswoche, den Großdonnerstag, an dem wir Folgendes gedenken:
An diesem Abend feiern wir den Gottesdienst der Leiden (der Kreuzigung) und singen den bekannten Gesang zu diesem Anlass: „Heute hängt am Kreuz, der die Erde in Wassern hängen lässt. Mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden der König der Engel. Zum Spott wird er mit einem Purpur umhüllt, der die Himmel umkleidet mit Wolken. Schläge erhält, der im Jordan den Adam befreite. Mit Nägeln wird angeheftet der Bräutigam der Kirche. Mit einer Lanze wird durchbohrt der Sohn der Jungfrau. Wir fallen nieder vor deinen Leiden, o Christus. Wir fallen nieder vor deinen Leiden, o Christus. Wir fallen nieder vor deinen Leiden, o Christus. Zeige uns auch deine heilige Auferstehung!“ Es ist erwähnenswert uns daran zu erinnern, dass wir an dieser Stelle das Wort „heute“ benutzen. Obwohl, historisch betrachtet, dieses Ereignis vor 2000 Jahren geschah und der Ostertermin auf unterschiedliche Sonntage fällt, sagen wir „Heute hängt...!“ Es ist die Liturgie, die Zeit und Ort überschreitet und dieses Ereignis zu einer Tatsache von unseren Augen macht. Sie trägt uns durch die Zeit und führt uns in das Ereignis der heilenden Kreuzigung hinein. So bleibt dieses Ereignis kein bloßes Symbol oder lediglich eine Erzählung in der Geschichte, sondern ein heilendes Geheimnis, das uns Leben verleiht.
Christus, der in der Nacht des Donnerstags am Kreuz gehängt wurde, wird am Morgen des Freitags vom Kreuz abgenommen. Am Abend wird der Gottesdienst zum Begräbnis des Herrn gefeiert. Joseph von Arimathia kam zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Dies ist das, was wir am morgigen Freitag tun, wenn wir Christus vom Kreuz abnehmen. Abends feiern wir, wie erwähnt, den Gottesdienst zum Begräbnis des Herrn. So singen wir am Morgen des Freitags: „Der du dich mit Licht umkleidest wie mit einem Gewand, dich nahm Joseph mit Nikodemus vom Holze ab; und als er dich tot, entblößt und unbestattet erblickte, wurde er erfüllt von Mitleid und rief weinend aus: Wehe mir, mein liebster Jesus! Als dich vor kurzem die Sonne am Kreuz hängen sah, verhüllte sie sich in Finsternis; und die Erde erbebte vor Frucht, und des Tempels Vorhang riss entzweit! Aber siehe, jetzt schaue ich dich, der um meinetwillen den Tod auf sich nahm. Wie soll ich dich bestatten, mein Gott, oder mit welchen Linnen dich umhüllen? Mit was für Händen soll ich deinen der Verwesung fremden Leib berühren? Oder welche Hymnen soll ich bei deinem Hinscheiden singen, Barmherziger? Ich preise hoch deine Leiden, ich besinge dein Begräbnis mit der Auferstehung, indem ich rufe: Herr, Ehre sei dir! “
Der Herr hat die Kreuzigung und das Begräbnis ertragen und ging in die Hölle, um die Dortigen zu erretten. Deshalb wird der Samstag, den wir den „Großen Samstag“ und „Samstag des Lichtes“ nennen, der Hinabfahrt des Herrn in die Hölle gewidmet. Als Zeichen für den Sieg und dass sich alles nach der Auferstehung richtet, verstreuen wir Lorbeerblätter in der Kirche und singen dabei: „Erhebe dich, o Gott, und richte die Erde; denn du herrschst in Ewigkeit!“
Der für uns leidende Christus durchbricht die Pforten der Hölle und steht siegend auf. Dies ist, was der Herr uns am Sonntag ankündigt. Deshalb rufen wir: „Christus ist erstanden“. Jeder ruft dem anderen zu: „Christus ist erstanden“ und der andere antwortet: „Wahrhaftig erstanden“. Es ist der Sieg nach einer langen Verbitterung. Christus gehorchte Gott dem Vater bis zum Tode, dem Tode des Kreuzes, deshalb erweckte ihn Gott am dritten Tage und kündigte durch ihn für uns ein Leben und eine Auferstehung an. Der aktuelle Ritus zu diesem Anlass ist nichts anders als unsere Teilnahme an diesem Geheimnis. Es ist das Geheimnis des Herrn, Jesu, der am Kreuz gehängt wurde, jedoch hat er den Tod zertreten und ist siegenreich erstanden, um uns die Pforten des Paradieses wieder zu öffnen. Dieses Geheimnis erfolgte ein Mal in der Geschichte, jedoch erleben wir es in der Liturgie, insbesondere in der Großen Woche, in unseren Herzen, mit denen wir den zu den Leiden und der Kreuzigung schreitenden Herrn begleiten und ihm siegend begegnen. Deshalb singen wir am Ostersonntag (wie an jedem Sonntag während des Kirchenjahres): „Die Auferstehung Christi haben wir geschaut, so lasset uns den heiligen Herrn, Jesus, der allein ohne Sünde ist, anbeten. Vor deinem Kreuz fallen wir nieder, o Christus, und deine heilige Auferstehung besingen und verherrlichen wir“.
Ich wünsche Euch viele gesunde Jahre.
† Johannes
Metropolit von West- und Mitteleuropa